Podufal-Wiehofsky_Patrick_Gross_Interview_Architekt_Studium_Architektur

Interview mit Patrick über den Weg vom Praktikant zum Architekt.

Wer Architekt werden möchte muss studieren.  Erst das Abitur, dann das ersehnte Studium. Da fällt die Wahl der Fachhochschule oder Universität oft nicht leicht, Zugangsvoraussetzungen, Schwerpunkte – es gilt einiges zu beachten.
Wer sich für diesen Berufsweg interessiert, kann jedoch bereits während seiner schulischen Laufbahn die Weichen in die richtige Richtung stellen.
Patrick ist seit einem halben Jahr Architekt bei PODUFAL – WIEHOFSKY und erzählt uns welchen Ausbildungsweg er gewählt hat.

Patrick, du bist seit 2018 als Architekt bei PODUFAL- WIEHOFSKY also noch ganz frisch im Berufsleben, wir gefällt es dir?

Sehr gut, man freut sich endlich angekommen zu sein und richtig zu arbeiten nach dem Studium.

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Du wusstest schon früh, dass du Architektur studieren möchtest und hast deine Schullaufbahn darauf ausgerichtet. Wie war der Ablauf und wie bist du zu PODUFAL-WIEHOFSKY gekommen?

Ich bin nach der 10. Klasse vom Gymnasium an das Wilhelm-Norman-Berufskolleg in Herford gewechselt und habe dort mein Fachabitur für Bautechnik gemacht.
Zu der Ausbildung gehören auch Pflichtpraktika, die in einem Planungsbüro oder einem Baubetrieb geleistet werden müssen. Für das Praktikum im Planungsbüro habe mich bei PODUFAL WIEHOFSKY beworben, wo ich im Sommer 2012 mein 4-wöchiges Praktikum absolvieren konnte.
Mir hat das Praktikum so gut gefallen, dass ich mich gleich um eine Stelle als Aushilfe im Büro bemüht habe und war froh, dass ich nach den Sommerferien für 3 Tage in der Woche nach der Schule und zusätzlich in den Schul- und Semesterferien im Büro arbeiten konnte.
Also bin ich eigentlich gar nicht mehr so frisch bei PODUFAL-WIEHOFSKY, sondern bereits seit 6,5 Jahren hier.

Nach dem Fachabitur hast du direkt dein Studium begonnen, wo hast du studiert?

Ich habe in Hildesheim an der HAWK, der Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst studiert. Dort haben mir der Praxisbezug und das breit gefächerte Angebot besonders gut gefallen. Voraussetzung zum Studium an der HAWK ist das Abitur / Fachabitur und ein Praktikum von mindestens zehn Wochen, wovon ein Monat vor Studienbeginn zu leisten ist. Etwas anders gestaltet sich das jedoch, wenn man wie ich das Fachabitur für Bautechnik hat. Damit hat man die Zugangsvoraussetzungen aufgrund des erlangten Fachwissens und der Praxisphasen bereits erfüllt.
Die Zugangsvoraussetzungen sind jedoch nicht landesweit geregelt und variieren an den unterschiedlichen Hochschulen. An den Universitäten sind die Voraussetzungen nochmal anders. Hier sollte man sich genau informieren und überlegen in welchem Bereich man seinen Schwerpunkt legen möchte.

Es gibt den Bachelor-, und Masterabschluss, wo liegt der Unterschied und warum war dir der Masterabschluss wichtig?

Die Regelstudienzeit für den Bachelor betrug in meinem Studiengang 6 Semester und der Master, der auf dem Bachelor aufbaut, umfasst weitere 4 Semester. Aber auch das ist an den Fachhochschulen und Universitäten unterschiedlich geregelt.
Für die Eintragung in die Architektenkammer benötigt man mindestens acht Fachsemester. Erst mit der Eintragung bei der Architektenkammer erlangt man die Bauvorlageberechtigung, sprich die Berechtigung als verantwortlicher Planer Genehmigungsplanungen unterzeichnen zu dürfen. Mein Ziel war von Anfang an als Architekt zu arbeiten, so kam für mich nur der Masterabschluss in Frage.

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Du hast auf einen starken Praxisbezug während des Architekturstudiums Wert gelegt. Wie kann man sich das vorstellen?

Ich hatte jedes Semester ein Kernprojekt auf das sich alle anderen Fächer innerhalb des Semesters bezogen. Im ersten Semester war es z. B. ein Projekt im Massivbau, unterstützt durch die Fächer Bauphysik, Tragwerkslehre und Baustoffkunde. Wir haben also in allen Fächern am selben Projekt gearbeitet. Dadurch entwickelt man ein gutes Verständnis für die Zusammenhänge und Schnittstellen.
Eine sinnvolle Ergänzung ist es, in den Semesterferien in einem Planungsbüro zu arbeiten um die Arbeitsweisen dort kennenzulernen und das Gelernte aus dem Semester anzuwenden. Diese Zeit kann als Praxismodul angerechnet werden.

Wie unterscheiden sich die jeweils letzten Semester des Bachelor- oder Masterstudiengangs?

Im jeweiligen Abschlusssemester arbeitet man ausschließlich an seinem Bachelor- oder Masterprojekt. In beiden Fällen überlegt man sich in Zusammenarbeit mit seinem betreuenden Professor ein Thema. Hier ist man ganz frei, spricht aber mit seinem Professor die Machbarkeit hinsichtlich Zeit und Schwierigkeitsgrad durch, damit man sich nicht verschätzt und später in Zeitnot gerät.
Vor Semesterbeginn muss man sich um einen Erst- und einen Zweitprüfer bemüht haben. Der Erstprüfer ist immer ein Professor der Fachhochschule, der Zeitprüfer kann von der Fachhochschule oder auch aus der freien Wirtschaft kommen.
Ich hatte Glück und konnte mein Thema im Büro PODUFAL-WIEHOFSKY bearbeiten. Hier hatte ich die perfekten Voraussetzungen, da Frau Wiehofsky den Part des Zweitprüfers übernommen hat. So war ein intensiver Kontakt mit dem Zweitprüfer und ständiger Austausch über die Arbeit gegeben.
Das gewählte Projekt wird wie ein Auftrag behandelt, man recherchiert das Thema genau, erarbeitet die notwendigen Voraussetzungen für das Grundstück, informiert sich über die behördlichen Auflagen und zeichnet und plant natürlich das Objekt. Die fertige Arbeit umfasst einen Textteil, den ausgearbeiteten Entwurf und die Präsentation vor der Prüfungskommission.

Ist man nach dem Studium bereit für das Berufsleben?

Ich denke, es ist wie in jedem Studiengang, man bekommt ein solides Grundwissen sowie Arbeitsgrundlagen an die Hand und hat die Chance die zur Verfügung stehenden Ressourcen intensiv zu nutzen. Das echte Leben lernt man aber erst im Büro kennen, daher kann ich nur empfehlen bereits während des Studiums in einem Planungsbüro zu arbeiten. Mir hat das unglaublich viel gebracht hinsichtlich der Arbeitsplanung, Kundenbetreuung und der Abläufe eines Bauvorhabens.
Besonders viel lernt man, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten, dann profitiert man von der Erfahrung der Kollegen. Die Projekte während des Studiums laufen immer optimal, da gibt es keine Überraschungen.

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Hast du Auslandssemester gemacht? Würdest Du Auslandserfahrung empfehlen?

Ich persönlich habe kein Auslandssemester gemacht. Besteht das Interesse später auch im Ausland zu arbeiten oder um Ideen und Inspiration zu bekommen, ist es bestimmt sinnvoll ein Auslandssemester einzubinden. Jedoch steht die deutsche Gesetzgebung allzu kunstvollen Ideen im Bauwesen oftmals im Weg.

Warum Architektur und nicht Ingenieurwesen?

Ich habe mich für Architektur entscheiden, da ich gerne kreativ tätig sein wollte. Konzepte, Grundrisse und Ansichten zu entwickeln war eher etwas für mich als Statiken, Bewehrungspläne oder andere Nachweise zu erstellen.

Wie sieht dein Arbeitsfeld im Büro aus, arbeitest du eigenständig an Projekten?

Ich habe ein Hauptprojekt an dem ich mit dem verantwortlichen Team arbeite, bin jedoch auch in andere Projektteams involviert. Hauptsächlich bearbeite ich die Leistungsphasen 1-5, also Grundlagenermittlung, Vorplanung, Entwurf- und Genehmigungs-, sowie Ausführungsplanung. Teilweise arbeite ich auch in den weiteren Leistungsphasen mit, das richtet sich ganz nach dem Projekt und seinen Anforderungen.

Was begeistert dich am Industriebau?

Ich finde Industriebau extrem spannend.
Man bearbeitet teilweise unheimlich große Projekte von mehreren tausend Quadratmetern, bei denen die unterschiedlichen Komponenten wie TGA, Logistik und Arbeitsabläufe berücksichtigt werden müssen. Es bedarf einer punktgenauen Planung unter Berücksichtigung aller Arbeitsabläufe damit im Betrieb der alltägliche Ablauf reibungslos verläuft. Außerdem bekommt man Einblick in die verschiedensten Industriezweige wie z. B. die Produktion von Würfelzucker oder Industrieklemmen. Von jedem Projekt lernt man und nimmt etwas mit, dass man beim nächsten Projekt einbringen kann.
Viele verbinden mit Industriebau nur große klotzige Hallen, jedoch steht eine Menge Planung und Wissen dahinter. Die Kunst besteht darin, die notwendigen Puzzleteile so zusammenzusetzen, dass ein reibungslos funktionierendes Gebäude entsteht welches die gestellten Anforderungen erfüllt.

Wird sich die Architektur in Zukunft verändern?

Ja definitiv, die Planungsmöglichkeiten verbessern sich stetig, somit wird sich auch die Architektur verändern.
BIM ist, denke ich, nur eine Vorstufe von dem was uns noch erwartet. Dreidimensionales und vernetztes Arbeiten werden immer weiter voranschreiten.
BIM ist zwar noch lange nicht überall komplett angekommen, geschweige denn, dass es umgesetzt wird, aber es kommt und ist nicht aufzuhalten.
Diese erweiterten Planungsmöglichkeiten werden sich dann auch auf die Architektur auswirken, die Reise der Formensprache oder Stile dabei zu verfolgen wird sehr interessant.

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Was wünscht du dir für deinen zukünftigen Berufsweg?

Ich wünsche mir Fortschritt, sei es an Erfahrungen, Wissen, Technik, man lernt schließlich nie aus und sollte immer hungrig auf Neues, mehr sein.

Zum Abschluss noch eine Frage – ist ja noch nicht so lange her aber – was war dein Traumberuf als Kind?

Den Traumberuf gab es glaube ich nicht, aber von klein auf hatte ich schon immer Spaß am Bauen und konstruieren, da war Lego ein guter Helfer.